Bolero - Review







Zum 40. Bühnenjubiläum hat Peter Breuer dem Salzburger Landestheater Ravels "Bolero" beschert

HANS AUINGER

Der Ballettchef des Salzburger Landestheaters ist immer ein Garant dafür, dass die Emotionen nachhaltig in Bewegung kommen. Keines der großen Gefühlsmomente in der Kunst ist so mächtig, dass Peter Breuer es mit seinen Tanzproduktionen nicht noch gewaltiger machen möchte. Zur Eröffnung der neuen Spielsaison am Landestheater wurde am Freitag Peter Breuers neue Choreografie mit dem attraktiven Titel "Bolero" uraufgeführt. Spätestens seit Blake Edwards glitschiger Hollywood-Schmonzette "Ten - Die Traumfrau" (mit Bo Derek) gilt diese populärste Komposition Maurice Ravels als das musikalische Synonym für ekstatische Kopulationsphantasien schlechthin. Peter Breuer und Christian Fuchs landen in ihrer Variation des Themas ebenfalls beim Medium Film: Eric Assandri spielt den Hollywood-Regisseur "Art" Schnitzler, der verzweifelt versucht, seinen Film "sins and assassins" zu drehen. Es ist dies ein ziemlich bewegter Streifen - frei nach Schnitzlers "Reigen" - um die offenbar wesentlichen Angelegenheiten des Lebens: Liebe, Tod und Eifersucht. Allmählich entgleiten dem Regisseur die Dinge, seine Darsteller machen, was ihnen gerade so einfällt.

Breuer und Fuchs inszenieren das schillernd bunte Spiel des Lebens als furiose Abfolge von 13 Szenen, deren verwickelte Handlungsfäden nicht immer ganz einfach zu entwirren sind. Ein wichtiges Gestaltungselement sind die Stilmittel des Stummfilms. Lakonische Übertitel kommentieren das Geschehen auf der Bühne, das wortlos abläuft und ganz auf die Sprache der Körper vertraut. Eric Assandri, der beste Komiker der Truppe, zeigt eindrucksvoll, was an gestischer und mimischer Raffinesse in ihm steckt. Maja Veljkovic findet in der Rolle des "Mädels" als vernachlässigte Geliebte reichlich Gelegenheit, ihr vielseitiges tänzerisches Können unter Beweis zu stellen. Maria Gruber agiert als exaltierte und arrogante Femme fatale sehr überzeugend, Adrian Bercea ist ganz der geborene Latin Lover und Jesper Windisch als Zuhälter in Lack und Leder überhaupt so richtig zum Fürchten. Das übrige Ensemble bewältigt die technischen Anforderungen ebenfalls meisterlich. Nach den verschiedensten musikalischen Stimmungsmachern - von Sergej Rachmaninow über Marilyn Manson oder Gotan Project bis zu Ennio Morricone - stellt Ravels "Bolero"-Komposition in der letzten Szene den Höhepunkt des Abends dar. Auch in Sachen Erotik.
 
Name
Email
Comment
Or visit this link or this one