Carmen 2010 Tour - SCHWEINFURT Review















SCHWEINFURT

Ungezügelter Eros tanzt mit dem Tod

Umjubeltes „Carmen"-Ballett in Schweinfurt

 

Man durfte gespannt sein auf Peter Breuers Ballett „Carmen",

nachdem sich der Choreograf mit seinem Salzburg Ballett vor

zwei Jahren mit „Tschaikowsky" in Schweinfurt so eindrucksvoll

vorgestellt hatte. Und auch der „Carmen"-Abend wurde ein

überwältigender Erfolg. Der große Geschichtenerzähler Breuer

schuf aus der Vorlage von Prosper Mérimée und der Musik von

George Bizet, Rodion Schtchedrin, Radio Tarifa und Edward

Elgar ein glutvoll-pulsierendes Handlungsballett: ungezügelter

Eros, der mit dem Tod tanzt.

 

Breuer hat sich intensiv mit Bizets Vorlage, der Novelle von Mérimée,

beschäftigt und überraschte nun mit einer größeren Handlungsfülle,

als sie von der Oper bekannt ist. Allein der Coup von Carmens Diebesbande

im Haus des Lord Jellyfish auf Gibraltar zu den Enigma-Variationen

von Edward Elgar ist solch eine Bereicherung. Im Salon beherrscht

Carmen ihr Temperament: Geschickt passt sie sich den Snobs an,

spielt für Jellyfish die romantisch Verliebte.

 

Leidenschaft und Sinnlichkeit

 

Christina Uta verleiht der Carmen eine facettenreiche Gestalt. Ihr tänzerisches

Können ist ebenso verblüffend wie ihre Ausdruckskraft. Mit bewundernswerter

Kondition ist sie bis zum Schluss magnetischer Mittelpunkt des turbulenten

Geschehens. Ihre Pas de deux mit dem Hauptmann, Jellyfish, Garcia und

Escamillo versprühen Leidenschaft und Sinnlichkeit. Diese kraftvolle Präsenz

aus Leichtigkeit und Feuer gilt für das gesamte Ensemble, Solisten und Corps

de ballet.

 

Ein genialer Schachzug Breuers ist die Nutzung der Musik der spanischen Gruppe

„Radio Tarifa" für die die Opernhandlung ergänzenden neuen Szenen. Nietzsche

nannte die Heiterkeit von Bizets „Carmen" einst „afrikanisch". Hier sind wir

plötzlich umgeben von spanisch-arabischen Klängen, die uns mit fremdartigen

Skalen, Vierteltönen, orientalischem Instrumentarium in den schwül-heißen Süden

Spaniens entführen.

 

Jedes der 14 Bilder verdiente es, erwähnt zu werden: die Traumsequenzen, die

große Ensembleszene vor der Zigarrenfabrik, Carmens Besuch von José vor dem

Gefängnis, der Pas de trois José (Alexander Korobko), Carmen und Escamillo

(Junior Demitre). Am Schluss senkt sich ein blutroter Vorhang, nachdem José

Carmen getötet hat. Und er hebt sich wieder. Carmen erwacht, begrüßt mit

verwundertem Blick ihr neues Leben: „Carmen wird immer frei sein." Tobender

Applaus, Bravorufe, ein Triumph für Peter Breuer und sein Salzburg Ballett.
 
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